Interview mit AMZ4brands Speaker Peter Höschl

Interview mit AMZ4brands Speaker Peter Höschl

 

  1. 1. Stell Dich bitte kurz vor: Wer bist Du, was machst Du beruflich, was konkret in Bezug auf Amazon?

    Peter Höschl, Geschäftsführer der Renditemacher UG, Betreiber des E-Commerce-Portals shopanbieter.de und seit diesem Jahr Senior Partner der Amazon Agentur MarktPlatz1 in Deutschland. Ich unterstütze seit zwei Jahren, unter anderem als Coach des Amazon Förderprogramms „Unternehmer/innen der Zukunft“ Händler beim Einstieg und Ausbau ihres Amazon-Geschäfts. Wobei auch hier mein Schwerpunkt und Leidenschaft der kennzahlenbasierten Unternehmenssteuerung gilt. Ganz nach dem Motto: Umsatz ist schön, Gewinn ist schöner.

  2. 2. Was dürfen die Teilnehmer der AMZ4brands-Konferenz von Deinem Vortrag erwarten? Worum geht’s?

    Ich werde den Teilnehmern zeigen, wie sie mehr Ertrag vom Umsatz erwirtschaften. Denn am Ende wollen wir doch alle, dass am Ende des Tages mehr Geld in der Kasse bleibt. Hier habe ich zwei Möglichkeiten: Ich steigere den Umsatz und hoffe, dass der Gewinn genauso steigt. Was jedoch meist ein Trugschluss ist. Oder ich versuche die unnötigen Kostentreiber zu identifizieren und so meine Aufwände zu senken. Und hier liegt nach wie vor ein erhebliches Potential bzw. großer Hebel für mehr Erfolg. Diese frei gewordene Liquidität durch Kosteneinsparung, kann dann wiederum in Maßnahmen für die Umsatzsteigerung, wie Sortimentserweiterung, neue Marketingmaßnahmen oder Expansion ins Ausland eingesetzt werden. So gewinnen die Unternehmer gleich doppelt: Mehr Umsatz und mehr Ertrag. Natürlich kann mein Vortrag keinen individuellen Masterplan für jeden einzelnen Teilnehmer bieten, er wird jedoch wertvolle Gedankenanstöße und so manch Aha-Erlebnis bieten.

  3. 3. Was sind die großen Themen für Brands und Hersteller in Bezug auf Amazon generell?

    In unserem Beratungsgeschäft schlagen sich Brands und Hersteller vor allem mit zwei Themen rum: Zum einen sind sie meist sehr unzufrieden mit dem Auftritt ihrer Marke bei Amazon. Dies kann daran liegen, dass sie nach wie vor kaum Kompetenzen und Ressourcen für den E-Commerce haben, und sich so nicht adäquat um ihren Markenauftritt kümmern können. Diese Funktion übernehmen dann, oft mehr schlecht als recht, gezwungenermaßen deren Händler. Die Folge daraus sind meistens schlechte Produktdarstellungen, was Bildsprache und Produktbeschreibungen anbelangt. Außerdem wird die Marke viel zu selten gespielt. Dies ist umso bedauerlicher, da Amazon mit den sogenannten Markenshops (Brandstores) und Enhanced Brand Content (EBC bzw. A+ Content) mittlerweile recht gute Möglichkeiten der Markendarstellung bietet. Auch bei der geschilderten Problematik der Produktdarstellung haben Marken alle Zügel in der Hand. Sie müssen sich nur darum kümmern. Einen weiteren großen Anteil an uns gestellten Anfragen betrifft die Situation, dass sich Hersteller nach möglichen Ergänzungen oder Alternativen zum Amazon Vendoren-Programm suchen und daher mittlerweile immer öfter zu einem Seller-Account tendieren. Dadurch erhoffen sie sich beispielsweise mehr Preisstabilität und die Kontrolle über ihre Produkte wiederzuerlangen.


  4. 4. Welche Trends, neue Themen und Herausforderungen erwartest Du für 2019 für Amazon Vendoren bzw. die großen Brands und Hersteller? Worauf dürfen wir uns freuen, was wird uns vielleicht ärgern?

    Amazon begünstigt durch seine Algorithmus-getriebene Suche unausweichlich die Entstehung von neuen Marken, die weniger durch die Strahlkraft ihrer Marke als durch geschicktes Amazon SEO und gute Produktbewertungen Kunden anziehen. Sucht man auf Amazon.de beispielsweise nach „kabellose Kopfhörer“, bekommt man über 10.000 Ergebnisse, viele sind äußerlich und anhand der technischen Features kaum voneinander zu unterscheiden. Wenig klingende Namen wie Holyhigh, Zling, CYDZ, Havit, Mpow, Ifecco und Aukey dominieren die Liste, und sie alle kosten deutlich weniger als Produkte der etablierten Marken wie Bose oder JBL, die in den Suchergebnislisten übrigens abgeschlagen erst auf den hinteren Plätzen erscheinen. Das Beispiel zeigt: Amazon ersetzt das bisher gültige Markenvertrauen durch Algorithmen. Kunden sollen nicht mehr wie früher gezielt die Markenprodukte auswählen, denen sie vertrauen, stattdessen will Amazon die Auswahl für sie treffen – basierend auf Algorithmen. Produktrezensionen und -bewertungen werden zum Schlüssel zu den besten Produkten in Amazons immer umfangreicher werdenden Sortiment. Marken waren das Vertrauensbarometer der Vergangenheit, heute treten an ihre Stelle also Algorithmen und Produktbewertungen. Davon können insbesondere kleinere Händler sehr profitieren. So wächst die Zahl der von Online-Händlern geführten Eigenmarken exponentiell, und das aus gutem Grund: Eine Eigenmarke rechtssicher zu entwickeln, Produkte dafür liefern zu lassen und sie dann auch zu vermarkten, wird immer einfacher. Ähnlich wie bei der Internationalisierung können Händler schon mit wenig Kapital-Invest die ersten Gehversuche beginnen. Unterstützt werden die Eigenmarken kleinerer Händler dadurch, dass Kunden immer weniger auf den Statusgewinn durch große Marken achten, dafür aber eher nach Produkten suchen, die Probleme lösen oder Wünsche erfüllen.

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